28.07.2017

Beat oder Bieder – Oldenburg und das Jahr 1967

Oldenburg. Vor 50 Jahren, am 1. August 1967, wurden in Oldenburg die wichtigsten Straßen des historischen Stadtkerns für den Autoverkehr gesperrt: Die Fußgängerzone entstand. Das Stadtmuseum Oldenburg feiert dieses Jubiläum mit einer besonderen Ausstellung. Unter dem Titel „Beat oder Bieder – Oldenburg und das Jahr 1967“ können sich die Besucher auf eine gleichermaßen unterhaltsame wie informative Zeitreise in das Jahr der Entstehung der Fußgängerzone begeben. Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, 30. Juli, um 11 Uhr statt. Für musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Heart of Gold“ mit Songs aus den 1960er-Jahren und vor dem Museum zeigt der Motor-Sport-Club Oldenburg von 10 bis 14 Uhr Oldtimer aus dieser Zeit.

„Die Oldenburger Fußgängerzone war zwar nicht die erste ihrer Art, aber erstmals in Deutschland wurde eine solche Maßnahme in einem weitgehend geschlossenen Stadtkern durchgeführt“, weiß Dr. Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums. Nach anfänglicher Skepsis insbesondere bei vielen Geschäftsinhabern der Innenstadt, hat sich die Oldenburger Fußgängerzone in den folgenden Jahrzehnten zu einem Erfolgsmodell entwickelt und prägt bis heute das Stadtbild.

Doch das Jahr 1967 hielt noch viele andere Ereignisse bereit: Weltweite Krisenherde, innenpolitische Konflikte, aber auch ein bis heute faszinierender Aufbruchsgeist in Politik, Gesellschaft und Kultur gehören zu den Facetten dieses spannungsreichen Jahres. Ob eine Jacke von Mitch Mitchell, dem Schlagzeuger der Jimi Hendrix Experience, der Schreibtischstuhl des damaligen Bundeskanzlers Kiesinger aus dem Kanzleramt oder auch prägende Bildikonen der Zeit – viele ausgewählte Objekte, Bilder und Dokumente lokaler und nationaler Leihgeber bieten einen Einblick in jene zwölf Monate, in denen sich viel von dem andeutete, was heute mit den ‚68ern‘ verbunden wird.

Und natürlich schaut die Ausstellung insbesondere auf Oldenburg: Hatten internationale Entwicklungen und nationale Ereignisse einen Einfluss auf den Alltag der Menschen vor Ort? Was bewegte die Oldenburger, in welchem Rhythmus schlug der Puls der Stadt, eben: BEAT oder BIEDER? „Wir gehen diesen Fragen in ausgewählten Schlaglichtern nach“, berichtet Franziska Boegehold, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum. „Die Besucher dürfen gespannt sein auf zahlreiche, zum Teil erstmals gezeigte Fotografien, vor allem des Oldenburger Bildreporters Günter Nordhausen, und auf einen Zusammenschnitt zeitgenössischer Filmaufnahmen aus der Stadt.“ Zudem gibt es eine Hörstation mit den 20 beliebtesten Hits aus dem Jahr 1967, ausgewählt in einer Zufallsumfrage unter 200 Oldenburgerinnen und Oldenburgern.

Die Ausstellung gleicht einer Entdeckungsreise, erstreckt sie sich doch über 18 Räume: „Für ‚Beat oder Bieder‘ öffnen wir erstmals – als zeitlich begrenzte ‚Intervention‘ – die historischen Francksen-Villen für ein neues Publikum“, sagt Andreas von Seggern. Dafür wurden besondere, flexibel nutzbare Stellwände angefertigt, die sich in die historischen Räumlichkeiten integrieren lassen. „Ihren überlieferten Grundcharakter werden die Räume natürlich auch während dieser Zeit behalten. Sie bleiben weiterhin geöffnet für all jene Besucher, die sich vom einzigartigen Charme der gründerzeitlichen Schausammlung einfangen lassen möchten“, schließt Museumsleiter von Seggern.

Zur Ausstellung erscheint eine 60-seitige Begleitbroschüre, die zum Preis von 9,90 Euro an der Museumskasse erhältlich ist.

Kuratoren der Ausstellung: Dr. Andreas von Seggern und Franziska Boegehold