25.11.2020

Energieeffiziente Sanierung lohnt sich

Oldenburg. Das Wohnquartier Käthe-Kollwitz-Straße/Hoffkamp im Stadtteil Nadorst ist in die Jahre gekommen. Vor allem die Reihen- und Einfamilienhäuser, die in den 1950er bis 1970er Jahren gebaut wurden, beinhalten enorme Potenziale zur Verringerung des Energieverbrauchs und zur Verbesserung des Wohnkomforts. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen, die der städtische Fachdienst Umweltmanagement in Kooperation mit Wohnungsbaugesellschaften, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Energieversorgern vorgenommen hat. Dabei wurden energetische Sanierungsmöglichkeiten und klimaschonende Energieversorgungslösungen geprüft und entsprechende Vorschläge erarbeitet. Auch Mieterinnen und Mieter profitierten von kostenlosen Energiesparberatungen.

Worin liegt das größte Einsparpotenzial?
„Das bedeutendste Einsparpotenzial weist die energetische Sanierung von Wohngebäuden auf, also die Verbesserung der Wärmedämmung von Dach, Fenster, Wand und Boden“, sagt Bärbel Dreyer-Schierz, verantwortlich für das energetische Quartiersmanagement der Stadt. „95 Prozent der Wohngebäude im Quartier wurden vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1979 errichtet. Folglich sind die Energieeinsparpotenziale bei diesen Häusern besonders hoch: Sie verbrauchen bis zu sechs Mal mehr Energie als neu errichtete Gebäude, die einen Energieverbrauch von durchschnittlich circa 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aufweisen.“

Aktion schafft Anreize
Weil vielen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern der energetische Zustand ihrer Immobilie gar nicht bewusst ist und Vorbehalte gegenüber Sanierungsmaßnahmen bestehen, wurde im vergangenen Frühjahr ein Wettbewerb gestartet, um auf das Thema Altbaumodernisierung aufmerksam zu machen. Als Gewinn lockte eine Heizungsanlage mit Solarkollektoren im Wert von rund 8.000 Euro, die die in Rastede ansässige Heizungsherstellerfirma August Brötje GmbH kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Voraussetzung für eine Teilnahme waren bestimmte Sanierungsmaßnahmen, die es umzusetzen galt, sowie das Alter der vorhandenen Heizungsanlage. Per Losentscheid ging der Gewinn nun an die Hauseigentümer des Gebäudes am „Zuschlag 4“.

Sanierungsvarianten berechnet
Zuvor hatte sich der Energieexperte und Architekt Raymund Widera das gesamte Gebäude genau angeschaut, den Zustand bewertet und eine energetische Bilanz erstellt. „Bei dem 1961 errichteten Einfamilienhaus besteht bei nahezu allen Bauteilen energetischer Sanierungsbedarf“, hat der Fachmann festgestellt. Unter Berücksichtigung der Eigentümerwünsche, des finanziellen Aufwands und der energetischen Notwendigkeit wurden verschiedene Sanierungsvarianten berechnet und den Eigentümern vorgestellt, die sich anschließend für eine folgende Teilsanierung entschieden:
•    der Niedertemperaturkessel wird gegen einen Gas-Brennwertkessel plus einer Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung ausgetauscht;
•    die 65-Millimeter-Luftschicht der zweischaligen Außenwände wird mit Dämm-Material gefüllt;
•    einige alte Fenster und eine Tür werden gegen Fenster/Tür mit Wärmeschutzglas ausgetauscht;
•    Dämmung (120 mm) der Kellerdecke, unterseitig;
•    Dämmung (160 mm) der Geschossdecke.

„Eine fundierte Ist-Analyse über den Zustand des Hauses ist der erste Schritt in eine sinnvolle Sanierungsplanung“, verdeutlicht Bärbel Dreyer-Schierz. „Mit dieser Aktion möchten wir Hauseigentümer aus Nadorst und anderen Stadtteilen ermutigen, in die eine oder andere Sanierung oder Teilsanierung ihrer Immobilie zu investieren.“ Denn neben deutlich sinkenden Energiekosten nach der Sanierung und den genannten Vorteilen konnte auch der Einbruchschutz des Gebäudes am „Zuschlag 4“ verbessert werden. Zudem wurden alle umgesetzten Dämm-Maßnahmen von der KfW-Förderbank und aus dem Förderprogramm „Energetische Altbausanierung“ der Stadt Oldenburg bezuschusst.

Wo gibt es weitere Informationen?
Wer weitere Auskünfte zu energetischen Sanierungsmaßnahmen, Energieeffizienz und Förderangebote erhalten möchte, kann sich an die Klima(+)-Beratungsstelle der Stadt Oldenburg oder direkt an die Sanierungsmanagerin Bärbel Dreyer-Schierz (E-Mail baerbel.dreyer-schierz@stadt-oldenburg.de) wenden oder sich im Internet informieren: KfW-Förderbank (www.kfw.de); Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de); Umweltbundesamt (www.umweltbundesamt.de).

Architekt und Energieberater Raymund Widera, Daniel Norder (August Brötje GmbH), und Sanierungsmanagerin Bärbel Dreyer-Schierz stellen ein Sanierungsprojekt am Beispiel eines Einfamilienhauses in der Straße „Zuschlag“ vor. Foto: Stadt Oldenburg
Architekt und Energieberater Raymund Widera, Daniel Norder (August Brötje GmbH), und Sanierungsmanagerin Bärbel Dreyer-Schierz stellen ein Sanierungsprojekt am Beispiel eines Einfamilienhauses in der Straße „Zuschlag“ vor. Foto: Stadt Oldenburg