09.09.2014

Ganztagsgrundschulen verfünffachen Nachmittagsbetreuung

Oldenburg. Immer mehr Familien können ihre Kinder auch nachmittags in Grundschulen der Übermorgenstadt betreuen lassen: Zum Schuljahresbeginn startet mit der Grundschule Babenend die siebte von 28 Primarschulen ihr Ganztagsangebot. Sechs von ihnen basieren auf dem vom Rat der Stadt mit großer Mehrheit im Jahr 2011 beschlossenen, pädagogischen Konzept der kooperativen Ganztagsbildung; weitere Grundschulen werden in den nächsten Jahren für die Kinder umgewandelt. Schuldezernentin Dagmar Sachse zum erfolgreichen Etappenziel: „Umfassende und vielfältige Bildung und ein Höchstmaß an Familienfreundlichkeit sind unumgängliche Ziele, wenn Städte auf Dauer lebenswert und erfolgreich sein wollen. Der Oldenburger Weg sticht dabei hervor: Der Schulterschluss mit den freien Trägern der Jugendhilfe, den Vereinen und nicht zuletzt den Kollegien, den Elternvertretungen und der Politik ist einzigartig. Allen gebührt Dank!“

Bereits im Frühjahr hatte die Grundschule Staakenweg ihren Ganztagsbetrieb aufgenommen. Ausgebaut für den kooperativen Ganztagsbetrieb wurden zudem die Grundschulen Nadorst und Donnerschwee (zum Schuljahr 2012/13) und Ofenerdiek und Krusenbusch (für 2013/14). Die Grundschule Ohmstede war zuvor bereits Ganztagsgrundschule. Sachse weiter: „Augenfällig wird der umfassende Prozess durch die großen Baumaßnahmen. Jede der sechs Schulen hat eine neue Mensa bekommen, in der es abwechslungsreiches, gesundes Essen aus der Region gibt. Aber das Konzept der kooperativen Ganztagsgrundschule ist ein pädagogisches und reicht damit weiter. Spezielle Ganztags- und Inklusionsräume und hell gestaltete Klassenzimmer sind ein weiterer Ausdruck des ganzheitlichen Ansatzes. Rund 4,7 Millionen Euro haben wir bislang in Baumaßnahmen investiert, 1,6 Millionen davon in Babenend.“ Finanziell hinzu kämen in Teilen neues Mobiliar, neueste Lernmitteln, Medien, Computer und Whiteboards. Derzeit werden in den Räumen der Grundschule Babenend letzte Arbeiten ausgeführt – die neue Mensa startet mit kurzer Verzögerung. Sie kann auch für Elterntreffen, Feste und weitere Veranstaltungen genutzt werden.

Gesamtgesellschaftlicher Austausch über Werte und Bildungsbegriffe

Die Idee des ganztägigen Lernens entwickelt sich in Oldenburg seit 2009. Für die Gestaltung und Realisierung hat die Stadtverwaltung eine Arbeitsgruppe aus Schulleiterinnen und Schulleitern, Jugendhilfeträgern, Sportvereinen, Kultureinrichtungen und weiteren Partnern einberufen. Von ihr stammt das Rahmenkonzept „Kooperative Ganztagsbildung in Grundschulen“, das am 14. November 2011 mit großer Mehrheit vom Rat der Stadt verabschiedet wurde. Leitidee des Konzepts ist es, die Vielfalt der Lebens- und Lernangebote förderlich zu entwickeln, Lernmöglichkeiten für Kinder zu verbessern und Eltern durch verlässliche Betreuungsangebote zu unterstützen. Das Oldenburger Modell setzt bewusst auf die Kooperation verschiedener Professionen und die Annäherung zweier Systeme: Schule und Jugendhilfe. Hierdurch entstand ein gesamtgesellschaftlicher Austausch über Werte, Bildungsbegriffe und Haltungen.

„Inzwischen können wir in der kooperativen Ganztagsbildung auf eine mehrjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Kindertagesstätten- und Beratungs-Verband, dem Verein für Kinder und dem Deutschen Roten Kreuz zurückblicken. Das gemeinschaftliche Wirken ist ein großer Gewinn für Oldenburg“, so Sachse weiter. Die Ganztagsbildung habe sehr gute Bedingungen für das Leben und Lernen geschaffen. Einerseits durch großzügige Raumstandards, die Schulen zum ganztägigen Lebensraum werden ließen und andererseits durch Finanzierung eines Personalschlüssels, der zusätzliche Bildungs- und Förderangebote ermögliche und damit weit über den klassischen Betreuungsaspekt hinausreiche, wodurch die Bildungschancen für alle Kinder stiegen.

Fünfmal so viele Kinder am Standort in Ganztagbetreuung

Dass das Konzept der kooperativen Ganztagsgrundschule ein durchschlagender Erfolg ist, zeigt auch der Blick auf die Betreuungszahlen: Waren vor Beginn der sechs Ganztagsgrundschulen an den Standorten 192 Kinder an Nachmittagen in Horten betreut, so sind es zum Schulbeginn 2014/15 beinahe fünfmal so viel: 952 (siehe Tabelle). „Diese auch für die Eltern sehr positive Entwicklung wäre ohne das erhebliche Engagement der Grundschulen, der freien Träger, aber auch des städtischen Eigenbetriebs für Gebäudewirtschaft und Hochbau und der Politik undenkbar“, sagt Sozialdezernentin Dagmar Sachse.

Schulkinderbetreuung in Hort oder hortähnlicher Einrichtung vor der Umwandlung in GGS:       
Donnerschwee        40   
Nadorst            40   
Krusenbusch        20   
Ofenerdiek        32   
Staakenweg        60   
Babenend        0   
Gesamt        192   

Ganztag 2013/14
Donnerschwee        81   
Nadorst            177   
Krusenbusch        169   
Ofenerdiek        109   
Staakenweg        229   
Babenend        0   
Gesamt        765   

Ganztag 2014/15
Donnerschwee        91
Nadorst            176
Krusenbusch        181
Ofenerdiek        119
Staakenweg        286
Babenend        105
Gesamt        958


Mit Blick auf die hohe Akzeptanz des Modells der kooperativen Ganztagsgrundschule bei den Eltern geht der Ausbau in den nächsten Jahren weiter. Die Arbeitsgruppe wird das Kooperative Rahmenkonzept an Grundschulen inhaltlich an den neuen Ganztagsschulerlass, der zum 1. August in Kraft getreten ist, anpassen. Diskussionen über die Organisationsform, Fragen der Organisation und Koordination des Ganztagsbetriebs, Ressourcenzuweisung oder Einsatz von Lehrkräften am Nachmittag stehen im Herbst auf der Agenda, zudem das Großprojekt für 2015: Die Grundschule Kreyenbrück soll zur nächsten Ganztagsgrundschule ausgebaut werden, um zum Schuljahr 2015/16 den Ganztagsschulbetrieb aufzunehmen.

Grundschule Babenend. Foto: Stadt Oldenburg
Foto: Stadt Oldenburg