30.10.2015

Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2015

Inhalt:

Die elfjährige Mahtab muss mit ihrer Familie aus dem Reich der Blutroten fliehen, einer Tyrannin, die Jungenherzen isst. Auf der Flucht gibt es keine Zeit für Trauer. Mahtabs Mutter droht, daran zu zerbrechen. Ihr Vater kämpft ums Überleben. So wird für Mahtab der Verlust der Heimat zugleich zum Verlust der eigenen Eltern. Um der erbarmungslosen Realität zu entkommen, träumt sie sich in ein Land namens Athabasca, wo sie die Fee mit den blauen Haaren aus Pinocchio trifft und Tiere zu ihren Begleitern werden.

Begründung der Jury (von Nadia Budde):

Mahtab besitzt alles. Einen Garten voller Blumen, weiche Katzen, liebevolle Eltern und Geschwister und eine ungebremste Fantasie. Die Bedrohung schleicht von außen heran. Ein ungerechter Herrscher wird vertrieben und an seine Stelle tritt die vermeintliche Retterin, die sich jedoch bald als das viel schlimmere Übel entpuppt. Unsinnige Gesetze werden ausgerufen und Wächter terrorisieren nun das Land. Gesetzesbrecher werden hart bestraft und irgendwann verlangt „die Blutrote“ die Herzen der Jungen. Man ahnt, um welches Land es sich handelt. Den Mädchen werden die Haare kurz geschnitten, die Erwachsenen flüstern und haben Angst.
Mahtab kann in die Welt des Gartens flüchten, mit den Katzen sprechen und mit Pari und Ipamen durch ihre Traumwelt fliegen. Aber als die Familie über Nacht das Land verlassen muss, bricht die Realität hart und dunkel über sie herein. Die Familie ist auf der Flucht. Trotz aller Ängste und Nöte sind Mahtab und auch der Leser nie verloren oder verzweifelt. Die Wärme der Familie und der Zauber der fantastischen Orte und Wesen scheinen in diese Geschichte hinein und erhellen die Stellen, an denen eigentlich Tristesse und Verzweiflung herrschen. Immer wieder tauchen Tiere auf. Mahtab und die anderen Kinder wenden sich ihnen liebevoll zu. Die Tiere öffnen die Fenster in eine tröstende und freundliche andere Welt. In ihr kann Mahtab mutig und frei sein kann. Märchenhaft ist die Sprache dieses Textes. Zart und poetisch und ganz unaufgeregt wird berichtet. Dabei wird die Härte der Realität jedoch nie verdeckt. Vielmehr zeigt Mehrnousch Zaeri-Esfahani auf eine sanfte und weise Art einen Weg, mit einer schwierigen Situation umzugehen und am Ende Trost und Hilfe bei sich selbst zu finden. Kraftvolle und farbenfrohe Bilder gemischt mit der Ernsthaftigkeit der Thematik machen diesen Text zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Vita:

Mehrnousch Zaeri-Esfahani wurde 1974 im Iran geboren. Im Alter von zehn Jahren verlässt sie zusammen mit ihrer Familie ihre Heimat und kommt über die Türkei und die DDR in die Bundesrepublik Deutschland. 1994 beginnt sie das Studium der Sozialpädagogik in Freiburg im Breisgau. Ab 1999 arbeitet sie in der Flüchtlingssozialarbeit im Kreis Lörrach. 2003 zieht sie nach Karlsruhe, wo sie zwei Jahre lang im Kinderheim unbegleitete Flüchtlinge betreut. 2012 erhält sie für ein Konzept eines kostenlosen Dolmetscherpools in Rastatt den Innovationspreis des Diakonischen Werkes Baden. Aktuell ist sie als Beraterin, Coach und Referentin im Bereich der Flüchtlingsaufnahme und kommunalen Anerkennungskultur tätig. Seit 2012 betätigt sie sich als freie Autorin.

Eine Leseprobe ist veröffentlicht unter www.stadtbibliothek-oldenburg.de.
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