30.10.2015

Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2015

Inhalt:

„Die Zeit der Babymuschis und Stringtangas ist angebrochen. Ich bin vierzehneinhalb Jahre alt, ich hatte schon viele Male Sex und ich bin nicht bereit, meinen Freund aufzugeben.“

Die unglücklich verliebte Vicky hat nicht nur ihren Freund verloren, sondern wird auch zum Gespött ihrer Mitschüler. Ihre ersten Liebeserfahrungen werden zu einer Odyssee durch die Gefühlswelten einer wütenden Pubertierenden in Zeiten von Chats und Facebook.

Begründung der Jury (von Christian Bittner):

Wenn Jugendliche sich literarisch betätigen, dann hat dies zum einen Seltenheitswert, zum anderen sind die Ergebnisse bestenfalls literarische Durchschnittsware. Die Ausnahmen, die die Regel bestätigen, sind rar gesät… zum Beispiel Benjamin Lebert, der mit 16 Jahren den überaus erfolgreichen (Jugend-)Roman „Crazy“ schrieb. Und nun Juliette Favre, die mit gerade einmal 14 Jahren den altbackenen Backfischroman aus dem 19. Jahrhundert mit einem sprachlichen Paukenschlag hinein ins Hier und Jetzt zerrt:
„Die Zeit der Babymuschis und Stringtangas ist angebrochen.. Ich bin vierzehneinhalb Jahre alt, ich hatte schon viele Male Sex, und ich bin nicht bereit, meinen Freund aufzugeben. Meine Mumu ist so glatt rasiert wie der Schädel meines Onkels, und in meiner Arschritze ist pinke Spitze, die ich für sieben Euro bei H&M gekauft habe (natürlich von Kindern aus China fabriziert). Ich scheiß auf das Leben. Ich scheiß auf alle, und am meisten scheiß ich auf meinen Freund.“
Vickys Leben ist aus den Fugen geraten: Ihr Freund Steve trennt sich wegen einer anderen von ihr – ˌstilvollˈ übers Telefon und für alle nachzulesen bei Facebook. Ein gutes halbes Jahr begleiten wir nun Vicky bei ihrem Versuch, mit dieser verwirrenden Sache namens Leben klarzukommen. Mit den typischen pubertätsrelevanten Themen wie der ersten Liebe, sexuellen Erfahrungen, alkoholdurchtränkten Partys, Stress und Streit in der Clique ist „Fuckfisch“ inhaltlich eher traditionell aufgestellt. Das Besondere erfährt der Jugendroman vor allem stilistisch durch die authentisch-erfrischende und emotional-direkte Sprache, die den Leser unmittelbar an dem immer wieder in unterschiedliche Richtungen changierenden Gefühlschaos der Ich-Erzählerin Vicky teilhaben lässt. Mit „Fuckfisch“ ist der 1998 geborenen Juliette Favre ein erstaunliches Debüt gelungen, das Lust auf weitere literarische Veröffentlichungen dieser jungen Autorin macht.

Vita:

Juliette Favre wurde 1998 in Hamburg geboren. Sie lebt in Dresden, wo sie ein Gymnasium besucht. An mehreren Inszenierungen des Staatsschauspiels Dresden wirkte sie als Schauspielerin mit. Den Roman „Fuckfisch“ schrieb sie mit 14 Jahren.

Eine Leseprobe ist veröffentlicht unter www.stadtbibliothek-oldenburg.de.
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