20.10.2014

Kinder- und Jugendbuchpreis: Jury nominiert vier Einsendungen

Oldenburg. Für den diesjährigen Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg hat die Jury gleich vier Nachwuchsautorinnen nominiert. Bekannt gegeben wird die Preisträgerin am Abend der Verleihung am Mittwoch, 19. November. In die nähere Auswahl kommen in diesem Jahr ein Jugendbuch sowie ein Kinder- und zwei Jugendbuchmanuskripte.

303 Erstlingswerke (214 Manuskripte, 89 Bücher) wurden insgesamt eingereicht und von der Jury gesichtet und beurteilt. Die Jury hat sich schließlich für folgende Autorinnen und Werke entschieden:

•    Lara Schützsack aus Berlin mit ihrem Jugendbuch „Und auch so bitterkalt“ (Fischer Verlag/KJB)
•    Gundula Herget aus Althegnenberg mit ihrem Kinderbuchmanuskript „Luigi Limone“
•    Sina Flammang aus München mit ihrem Jugendbuchmanuskript „Mädchen mit Baum im Hintergrund“
•    Petra Milz aus Frankfurt mit ihrem Jugendbuchmanuskript „Die unsichtbare Grenze“

Die Mitglieder der Jury sind Dr. Christian Bittner (Sonderpädagoge aus Bochum), Nadia Budde (Illustratorin und Autorin aus Berlin), Robert Elstner (Diplom-Pädagoge und wissenschaftlicher Bibliothekar in der Stadtbibliothek in Leipzig), Clarissa Sophie Meyer (Schülerin der Graf-Anton-Günther-Schule Oldenburg) und Ralf Schweikart (Redakteur und Journalist aus Hofheim am Taunus).

Jurystimmen:

Robert Elstner: „Wenn man die Zahl der Einsendungen betrachtet, kein schlechtes Jahr. 303 Manuskripte und Bücher. Das ergibt ein sattes Plus von 13 Prozent zum Vorjahr und damit 13 Prozent mehr Bereitschaft, sich einer literarischen Prüfung zu unterziehen, denn genau das ist der Anspruch der Jury: Kinder- und Jugendliteratur von Rang zu entdecken, neue Stimmen, Experimentelles, neue Akzente, die möglichst unkonventionell umgesetzt werden und die Zielgruppe ernst nehmen. Vielen Autoren ist aber nicht klar, dass Kinder nicht zwangsläufig mit Elfen, Zwergen oder niedlichen blauäugigen Tieren aufwachsen müssen. Auch erziehen sollten Bücher nicht wirklich, zumindest nicht penetrant vordergründig. Ach so! Heilen bitte auch nicht. Und dann sind da noch die hippen Drehbuchschreiber mit beeindruckender Vita, die mal eben schnell einen Jugendroman aus dem Boden stampfen. Das kommt zwar unbeschwert daher, aber wenn man die Luft ablässt, bleibt oft nicht viel. Zusammengeklatschte Episoden ergeben eben kein Buch und von einer tollen Vita lässt sich die Jury schon gar nicht beeindrucken. Summa summarum: Es gab nicht wirklich viel Arbeit für den Sommer. Leider! Die schlimmen ersten Befürchtungen jedoch blieben unbestätigt. Wir haben gefunden, sowohl einen überaus würdigen Preisträger als auch eine adäquate Nominierungsliste. Texte die sich an höchsten Ansprüchen messen lassen, neue Akzente setzen und auf jeden Fall einer Publikation bedürfen. Allein die Männer bereiten uns Sorge. Absolut nix dabei! Frauen können nicht nur besser Lesen, auch Schreiben geht ihnen offenbar besser von der Hand!“

Ralf Schweikart: „Die Einsendungen zum Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis waren schon immer ein Spiegel der allgemeinen Literaturtrends. Waren die vergangenen Jahre geprägt von vielen Kinder- und Jugendromanen mit fantastischen Elementen, scheint sich hier ein Wandel einzustellen. Bis in die letzten Diskussionsrunden zur Preisfindung haben sich viele realistische und sehr ernste Erzählungen durchgesetzt. Es scheint so, als habe der Erfolg von John Greens Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ viele Autorinnen und Autoren beflügelt, sich auch an harte Familienschicksale, an unheilbar kranke Freunde, an herbe Verluste als Grundannahme heranzutasten und davon ausgehend ergreifende Schicksale zu schildern. Das gelingt nicht immer, aber es gibt Beispiele, die dank der erzählerischen Qualitäten da durchaus zu überzeugen wussten.“

Christian Bittner: „Wie immer gab es auch in diesem Jahr einen großen Anteil an Büchern und Manuskripten, die zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht waren: possierliche Tiergeschichtchen, moralinsaure Pädagogische-Zeigefinger-Erziehungsliteratur, Vampirgeschichten bis zum Morgengrauen und allerlei uninspirierte Fantasy-Schinken… Interessant ist hingegen, dass immer mehr Menschen der schreibenden Zünfte sich dazu berufen fühlen, ein kinder- oder jugendliterarisches Werk anzugehen: Das liest sich häufig flott, aber fast immer auch etwas zuuu routiniert und etwas zuuu vorhersagbar, als dass diese Werke ernsthaft für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis in Betracht kämen. Was schließlich bleibt, sind eine Handvoll Bücher beziehungsweise Manuskripte, die literarisch überzeugen, sprachlich überraschen und der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur eine neue Nuance hinzufügen. Und genau wegen dieser wenigen literarischen Perlen lohnt es sich jedes Jahr wieder, als Juror in das große Büchermeer der Einsendungen einzutauchen und eine Nominierungsliste mit – in diesem Jahr ausschließlich – weiblichen KJL-Debütantinnen an Land zu ziehen. Sehr schade fand ich in diesem Jahr, dass es (wieder einmal) keine nennenswerten Bilderbücher beziehungsweise Illustrationen zu entdecken und bewundern gab.“

Nadia Budde: „Unter den diesjährigen Einsendungen befanden sich wie immer viele illustrierte Werke. Leider wurde trotz eines gesonderten Aufrufes an die Kunsthochschulen keine der Arbeiten als prämierungswürdig erachtet, was sehr schade ist. Der Preis hat bereits vielen erfolgreichen Illustratoren den Einstieg in den Buchmarkt ermöglicht, weshalb an dieser Stelle noch einmal der Aufruf an alle Einrichtungen, die mit Nachwuchskünstlern im Bereich Illustration zu tun haben, stehen soll: Reicht Eure Werke ein, beziehungsweise unterstützt die Bewerbungen junger Talente!“

Clarissa Sophie Meyer: „Wiedermal wurden mir die berüchtigten Tage der Sommerferien, in denen man nichts mit sich anfangen kann und alle im Urlaub sind, erspart, weil ich genügend Bücher und Manuskripte hatte, die es zu lesen und zu bewerten galt. Und wieder muss ich sagen, dass es für mich eine außerordentlich schwere Aufgabe war zu entscheiden, welches Werk nun am besten war und somit den Preis verdient und welches nicht, da hinter allen, mitunter sehr verschiedenen Einsendungen ein Traum steckt und man selbst in der Rolle ist mitzuentscheiden, für welchen Autor sich dieser Traum erfüllt und für welchen nicht.“

Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg einen Preis für herausragende literarische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Der mit 7.600 Euro dotierte Preis ist der einzige seiner Art in Deutschland. Als Förderpreis dient er dem Ansporn und der Ermutigung von Autorinnen und Autoren beziehungsweise Illustratorinnen und Illustratoren ein Erstlingswerk vorzulegen. Zugleich soll innovativen Ideen eine Chance gegeben und ein Anreiz geschaffen werden, die Werke Unbekannter in die Verlagsprogramme aufzunehmen.

Die Preisträger werden von einer ehrenamtlichen, unabhängigen und überregionalen Jury ausgewählt. Die Qualität ihrer Entscheidungen hat zum hohen Renommee des Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreises geführt. Der Erfolg lässt sich daran ablesen, dass viele Preisträger weitere Veröffentlichungen vorgelegt haben und ausgezeichnete Erstlingswerke mehrfach aufgelegt wurden oder weitere Ehrungen erhielten. So wird das 2013 prämierte Jugendbuchmanuskript „Heldentage (do what you love)“ von Sabine Raml im Frühjahr 2015 in einem renommierten Verlag erscheinen und das 2012 nominierte Werk „Was die Welle nahm“ von Vera Kissel erschien unter gleichnamigem Titel im Juli 2014 bei Dressler.

Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendbuchpreis gibt es im Internet unter www.oldenburg.de (Stichwortsuche: Kinder- und Jugendbuchpreis).

Das Logo des Kinder- und Jugendbuchpreises Oldenburg.
Rechte: Stadt Oldenburg