27.04.2018

„Konsequent und unerschrocken“

Oldenburg. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann zeichnet die amerikanische Historikerin Deborah Esther Lipstadt, eine der international bedeutendsten Antisemitismus- und Holocaust-Forscherinnen, am Freitag, 4. Mai, dem 80. Todestag Carl von Ossietzkys, mit dem gleichnamigen Preis der Stadt Oldenburg aus. Sie erhält den mit 10.000 Euro dotierten Preis „aufgrund ihres konsequenten und unerschrockenen Einsatzes für die historische Wahrheit und die Menschenwürde“, so die Begründung der Jury.

„In der Auseinandersetzung mit Leugnern des Holocaust hat Deborah Esther Lipstadt ein eindrückliches Zeichen für die Kraft der Vernunft und des rationalen, auf Aufklärung gerichteten Diskurses gesetzt. Ihr fortgesetztes Auftreten gegen öffentlich verbreitete Lügen und Unwahrheiten ist ein ermutigendes Beispiel von Zivilcourage“, heißt es in der Jury-Begründung weiter. Die Laudatio hält der Fernsehjournalist und ehemalige Tagesthemen-Moderator Thomas Roth. Während des Festaktes wird die eigens für diesen Anlass von Sarah Nemtsov erstellte Komposition „Fenster. Shloshim“ durch das Ensemble Adapter uraufgeführt. Der Festakt ist für geladene Gäste.

Am Vorabend der Preisverleihung, am 3. Mai, findet ab 18 Uhr im Kulturzentrum PFL (Peterstraße 3) ein öffentliches Podiumsgespräch zum Thema „Fakten – Meinungen – Lügen. Über historische Wahrheiten und die Macht des Wortes“ mit der Preisträgerin statt. Ihre Gesprächspartner sind Professor Dr. Dr. h. c. Michael Daxner, Sozialwissenschaftler, ehemals Universitätspräsident und Gründungsmitglied der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg, sowie der Politikprofessor und Rechtsextremismusexperte Dr. Hajo Funke. Die Moderation übernimmt Jury-Mitglied Friedrich-Wilhelm Kramer, früherer Direktor des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holstein. Gesprächsgegenstand sind die gezielte Vermengung von Tatsachen, persönlichen Auffassungen, Ideologien und Lügen, um antisemitische, rassistische, sexistische und rechtspopulistische Haltungen und die ihnen zugrundeliegenden Strategien transparent zu machen.

Im Anschluss wird ab 20 Uhr der Film „Verleugnung“ gezeigt. Er basiert auf dem spektakulären Londoner Prozess des britischen Holocaust-Leugners David Irving gegen Deborah Lipstadt und ihren Verlag im Jahr 2000. Während der von Irving angestrengten Gerichtsverhandlung musste nachgewiesen werden, dass Irving Fakten bewusst verzerrt, falsch interpretiert, manipuliert und historische Wahrheiten wie den Holocaust gezielt in Abrede stellt. Das Gericht gab in seinem Urteil Lipstadt in allen wesentlichen Punkten recht. Der Prozess wurde 2016 Gegenstand einer international erfolgreichen amerikanisch-britischen Kinoproduktion von Mick Jackson mit Rachel Weisz als Deborah Lipstadt und Timothy Spall als David Irving. Im April 2017 lief der Film in den deutschen Kinos an. Der Eintritt zu Podiumsgespräch und Filmvorführung ist frei.

Der Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik wird von der Stadt Oldenburg alle zwei Jahre für Arbeiten, Gesamtwerke oder an Personen verliehen, die sich in herausragender Weise mit Leben und Werk Ossietzkys, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der demokratischen Tradition und Gegenwart befassen oder die sich im Geiste Ossietzkys mit Themen der Politik und Zeitgeschichte auseinandersetzen.

Mehr über den Carl-von-Ossietzky-Preis, die Preisträgerin, die Jury, den Oldenburger Kompositionspreis und das Begleitprogramm gibt es im Internet unter www.ossietzky-preis.de.