25.04.2014

Russlands Weg wohin? Podiumsgespräch mit Ossietzky-Preisträgerin

Oldenburg. Die Carl-von-Ossietzky-Preisträgerin des Jahres 2014, Dr. Irina Scherbakowa, renommierte Wissenschaftlerin, Historikerin und Publizistin sowie promovierte Germanistin, wird am Montag, 5. Mai, 19.30 Uhr, im Kulturzentrum PFL, Peterstraße 3, auf Einladung des Kulturbüros der Stadt Oldenburg in einem öffentlichen Gespräch mit Prof. em. Dr. Wolfgang Eichwede über Russland diskutieren. Unter dem Titel „Russlands Weg wohin? Eine Großmacht zwischen Apathie, Protest und Führerkult“ widmen sich beide Persönlichkeiten der Historie der Großmacht, den Erwartungen und Hoffnungen nach der Perestroika, dem russischen Alltag der Jetzt-Zeit und nicht zuletzt allgemeinen Bürger- und Menschenrechtsfragen sowie den aktuellen politischen Entwicklungen im osteuropäischen und internationalen Kontext. Der Eintritt ist frei.

Dr. Irina Scherbakowa erhält am 4. Mai im Rahmen eines Festaktes den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg „… für ihren großen Einsatz, mit dem sie sich mutig, leidenschaftlich und mit profunder Sachkenntnis seit Jahrzehnten für die historische Erforschung der wechselvollen, zerrissenen Geschichte ihres Landes im 20. Jahrhundert einsetzt und als Brücke der Verständigung zwischen Russland und Deutschland zu wirken sucht ...“, so die Begründung der Jury. Scherbakowa wurde 1949 als Tochter jüdisch-kommunistischer Eltern in Moskau geboren. Sie studierte an der Moskauer Universität Germanistik und promovierte dort 1972. In den folgenden Jahren arbeitete sie hauptsächlich als Übersetzerin deutscher Belletristik und als freie Journalistin. Darüber hinaus war sie als Redakteurin für verschiedene Literaturzeitschriften tätig. Heute ist Scherbakowa Leiterin der Bildungsprogramme von „Memorial“, der von Andrej Sacharow (1921-1989) gegründeten Menschenrechtsorganisation.

Irina Scherbakowa ist darüber hinaus Kuratoriumsmitglied der Gedenkstätte Buchenwald, der Aktion Sühnezeichen und der Gräfin Dönhoff-Stiftung. Als Autorin und Herausgeberin hat sie zahlreiche Bücher zu den Themen Stalinismus, Gulag und Gedächtnisproblematik veröffentlicht. Auf Deutsch sind unter anderem erschienen „Nur ein Wunder konnte uns retten. Leben und Überleben unter Stalins Terror“ (Campus, 2000) und „Zerrissene Erinnerungen. Der Umgang mit Stalinismus und Zweitem Weltkrieg im heutigen Russland“ (Wallstein, 2010).

Gesprächspartner von Dr. Irina Scherbakowa ist der international renommierte Osteuropahistoriker Dr. Wolfgang Eichwede, emeritierter Professor für Politik und Zeitgeschichte sowie Gründungsdirektor der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozialbewegungen und Kultur Osteuropas und die sowjetisch/russisch-deutschen Beziehungen im 20. und 21. Jahrhundert. Prof. Eichwede ist selbst Träger verschiedener hoher nationaler und internationaler Auszeichnungen sowie Autor zahlreicher Bücher und Publikationen zu den Widerstands- und Alternativkulturen im östlichen Europa von 1945 bis in die Gegenwart.