27.01.2017

Weltpremiere von Amir Yatzivs „Another Planet“ beim Filmfestival Rotterdam

Oldenburg. Das Internationale Filmfestival Rotterdam zeigt am kommenden Wochenende den neuen Film „Another Planet“ von Amir Yatziv, Stipendiat der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus für Medienkunst, als Weltpremiere. Yatzivs Werk ist ein animierter Dokumentarfilm über Begegnungen in verschiedenen virtuellen Simulationen des Konzentrationslagers Auschwitz. In der Arbeit verflechten sich Wahrheit, Fiktion und das kollektive (kinematografische) Gedächtnis, sie analysiert und hinterfragt zugleich die Konventionen der Visualisierung von Geschichte.

Jede der Simulationen hat einen anderen Stil und wurde mit einer anderen Motivation erschaffen. Der Film folgt den digitalen Avataren der Entwickler durch ihre jeweilige virtuelle Version von Auschwitz und bezieht gleichzeitig Interviews mit ihnen mit ein. Darunter ist eine Simulation der Kriminalpolizei, die im Fall eines 94-jährigen Angeklagten ermittelt. Ein 27-jähriger Software-Entwickler aus Israel glaubt an Reinkarnation und versetzt sich im Stile eines Computerspiels in sein früheres Leben als Mitglied des Sonderkommandos hinein. Ein polnischer Grafikdesigner entwickelt das Konzentrationslager als Virtual Reality-Erlebnis. Drei Highschool-Schüler nutzen einen programmierbaren Flugsimulator, um einen Flug der israelischen Luftwaffe über Auschwitz zu rekonstruieren. Und ein deutscher Architekt arbeitet mit einem israelischen Historiker an einem detailgetreuen Computermodell des Lagers.

„Im Verlauf des Films wird nach und nach eine weitere Ebene deutlich: die Obsession, eine ‚Andere Welt‘, einen ‚Anderen Planeten‘, zu erschaffen – der unstillbare Drang, die historische und kulturelle Erinnerung an den Holocaust zu dokumentieren und zu bereichern“, so Amir Yatziv über seine Arbeit.

Der israelische Künstler Amir Yatziv ist einer der drei Stipendiaten der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus des Jahres 2016. Er lebt und arbeitet in Jaffa, Israel. „Another Planet“ wird in Rotterdam im Programm „Bright Future, Mid-Length“ gezeigt; das Filmfestival läuft insgesamt vom 25. Januar bis 5. Februar.