Akustik, soweit die Ohren hören

Absorberplatten sorgen für optimale Akustik am neuen Standort

Hört, hört: Wer neuerdings werktags durch die Baumgartenstraße in der Oldenburger Innenstadt spaziert, wird des Öfteren von wohlklingenden Tönen begleitet. Denn seit Ende August 2019 befindet sich dort in der Hausnummer 12 auf fünf Etagen die Musikschule der Stadt. Der Umzug an sich war bereits eine logistische Meisterleistung und ein wahrer Kraftakt – immerhin mussten neben Büromöbeln und Kisten auch zahlreiche Instrumente umziehen. Aber beim Umzug der Musikschule kommt eine weitere, sehr feine Komponente hinzu: die Raumakustik.

Schließlich muss gewährleistet sein, dass auch in den neuen Räumlichkeiten Posaune, Klavier und Geige gut klingen – besonders, wenn die Lehrerinnen und Lehrer täglich mehrere Stunden in den Unterrichtsräumen verbringen. Für diese besondere Aufgabe hat sich die Musikschule echte Profis ins Haus geholt, die glücklicherweise aus derselben Stadt stammen, und ganz genau hinhören: das Team vom Akustikbüro Oldenburg, das sogar auf internationaler Ebene als Institution für Akustik anerkannt ist.

Für Dr. Christian Nocke, Gründer des Akustikbüros Oldenburg, ist die „richtige“ Raumakustik immer ein Wechselspiel zwischen Nutzung und Raum-Gestaltung. Besonders die subjektive Erwartung und Vorerfahrung spielen dabei eine große Rolle. Mit dem neuen Standort der Musikschule gibt es gleich mehrere Herausforderungen: Die Räume sind unterschiedlich groß und hoch, zudem verhalten sich die Instrumente unterschiedlich. So kann ein Unterrichtsraum beispielsweise wunderbar für eine Posaune geeignet sein – eine einzelne Geige hingegen würde hier nach mehreren Minuten eher als Nervensäge gelten. Welche Herausforderungen dann für einen Konzertraum mit einem ganzen Orchester gelten, kann man als Laie nur erahnen.

Praxistest und Messungen der Nachhallzeit
Deshalb galt es in einem ersten Schritt herauszufinden, welcher Raum sich für welche Instrumente besonders eignet. Dabei wurde die Innenraumakustik in der Praxis getestet: Mit Instrumenten aller Art ausgestattet testete die Akustikgruppe unter der Leitung von Philipp Pumplün bereits in der Umzugswoche die Akustik einzelner Räume. Dabei waren sie stets dem gefürchtetem Flatterecho (hörbaren Einzelreflexionen) auf der Spur, dem kleinen Schreckgespenst unter Musikerinnen und Musikern. Tauchte es auf, wurde zu Gegenmaßnahmen in Form von kleinen und großen Absorberplatten gegriffen, die den Schall absorbieren. Diese wurden in den Raum gestellt und an die Wände gelehnt, um den Klang zu verbessern. So wurde Raum für Raum getestet.

Der zweite Schritt erfolgte dann durch die Experten des Akustikbüros: Sie führten im November 2019 Messungen der Nachhallzeit durch und ermittelten so für jeden Unterrichtsraum und das entsprechende Instrument die optimale Absorberfläche – getreu dem Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“. In der gesamten neuen Musikschule wurden so etwa 120 bis 150 Quadratmeter Schallabsorber verbaut. Dabei wurde auch der Nachhaltigkeit Rechnung getragen: Denn die Absorberplatten, welche bei der Firma Recytex aus Viersen bestellt wurden, bestehen aus recycelten Textilfasern. Aufgrund des geringen Gewichts können die Module, ähnlich wie ein Bild, an die Wand gehängt werden.

Weitere Informationen
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