Kraftakt beim Ausbau des Betreuungsangebots

Flexibles Einschulungsalter bringt Kita-Planer ins Schwitzen

Die Flexibilisierung beim Einschulungsalter der angehenden Erstklässlerinnen und Erstklässler bringt die Kita-Bedarfsplaner gehörig ins Schwitzen: Seit März 2018 können Eltern durch die Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes die Einschulung ihrer Kinder, wenn diese zwischen dem 1. Juli und 30. September das sechste Lebensjahr vollenden, um ein Jahr verschieben. Das hat gravierende Folgen für die Stadt Oldenburg: Eine Abfrage in den Kindergärten im Februar 2019 hat ergeben, dass Eltern von 161 schulpflichtig werdenden Kindern von der flexiblen Einschulung Gebrauch machen und weiterhin einen Kindergartenplatz belegen wollen. Selbst wenn sich noch einige Eltern umentscheiden sollten, wird davon ausgegangen, dass dadurch der ohnehin gestiegene Bedarf zusätzlich um rund 150 fehlende Kindergartenplätze erhöht wird. Das entspricht sechs Kindergartengruppen. „Das setzt uns fürs kommende Kita-Jahr noch mehr unter Druck“, erklärt Sozialdezernentin Dagmar Sachse.

Viele Sechsjährige in Kindergärten
Während das Land Niedersachsen in seiner Gesetzesbegründung damit gerechnet hatte, dass Eltern für rund 20 Prozent der in Frage kommenden Kinder die Möglichkeit der flexiblen Einschulung wählen, sind es in Oldenburg tatsächlich aber mehr als doppelt so viele. „Die Zahl der sechsjährigen Kinder in den Kindergartengruppen ist deutlich gestiegen, während die der dreijährigen Kinder, die im Kindergarten aufgenommen werden konnten, deutlich gesunken ist. Dementsprechend bleiben viele dreijährige Kinder, die nach dem 1. August geboren sind, auf ihren bisherigen Plätzen in der Krippe oder bleiben noch unversorgt“, heißt es im aktuellen Bericht zur Kindertagesbetreuung in Oldenburg, der dem Jugendhilfeausschuss Mitte Mai vorgestellt wird.
 

Kindergarten: 323 Plätze fehlen voraussichtlich
In ihrer Prognose für das Kindergartenjahr 2019/2020, in die die bisherigen Anmeldungen und die noch zu erwartende Nachfragen eingerechnet wurden, geht die Stadtverwaltung im Kindergartenbereich von einem Fehlbedarf von 323 Plätzen aus. Demnach stehen 1.587 freiwerdenden Plätzen (davon sind 175 noch in Planung oder Bau) 1.910 angemeldete und anspruchsberechtigte Kinder gegenüber. Insgesamt werden im Laufe des Kita-Jahres 2019/2020 voraussichtlich 4.515 Kindergarten-Plätze zur Verfügung stehen.

Krippe: Seit 2009 rund 1.300 zusätzliche Plätze
Im Krippenbereich stellt sich die Situation für das Kita-Jahr 2019/2020 wie folgt dar: Die Betreuungskapazitäten sollen auf 1.895 Plätze (inklusive von 180 Plätzen, die sich in Planung oder im Bau befinden) erweitert werden. Der Hochrechnung zufolge könnten  jedoch im Verlauf des Kita-Jahres 2.376 Plätze nachgefragt werden, so dass ein Defizit von 481 Plätzen prognostiziert wird.

Gute Versorgung für unter Dreijährige
Unabhängig von diesen Zahlen schneidet die Stadt Oldenburg bei der Versorgung mit Betreuungsplätzen für unter Dreijährige im landesweiten Vergleich sehr gut ab: Im Kita-Jahr 2018/2019 betrug die Versorgungsquote in Oldenburg 46,2 Prozent (einen etwa zehnprozentigen Anteil trägt dazu die Kindertagespflege bei). In Niedersachsen lag die Versorgungsquote in 2018 bei Kindern im Alter von unter drei Jahren (einschließlich der in der Tagespflege betreuten Kinder) lediglich bei 30,9 Prozent. Möglich gemacht hat das gute Abschneiden ein Kraftakt, den die Stadt Oldenburg in den vergangenen Jahren beim Ausbau der Betreuungskapazitäten geleistet hat. Zum Vergleich: Im Kita-Jahr 2009/2010 wurden erst 597 Kinder in Krippengruppen betreut.

Stark ausgebaut werden konnte seit 2009 auch die Anzahl der Plätze, die in öffentlich geförderter Kindertagespflege zur Verfügung stehen. Hierzu zählen neben den Angeboten von Tagesmüttern und -vätern auch die Plätze in privaten und betrieblichen Großtagespflegestellen. Aktuell werden in der Kindertagespflege 567 Kinder betreut – die große Mehrzahl der Kinder (438) ist unter drei Jahre alt.

Wo 2019 neue Betreuungsangebote entstehen
Diese Anstrengungen wird die Stadt Oldenburg auch in diesem Jahr fortsetzen. Es werden zehn neue Krippengruppen mit insgesamt 150 Plätzen sowie sechs neue Kindergartengruppen mit ebenfalls 150 Plätzen geschaffen.

An folgenden Standorten entstehen in diesem Jahr neue Betreuungsplätze:

  • Klingenbergstraße in Kreyenbrück: 30 Krippen- und 50 Kindergartenplätze (Frühjahr)
  • Adenauerallee in Eversten: 45 Krippen- und 50 Kindergartenplätze (Frühjahr)
  • Bodenburgallee in Eversten: 15 Krippen- und 25 Kindergartenplätze (1. November)
  • Maria-von-Jever-Straße in Etzhorn: 30 Krippenplätze (1. August)
  • Sachsenstraße in Nadorst: 30 Krippenplätze (20. Mai) und 25 Kindergartenplätze (1. August)

Die im vorigen Sommer eingerichtete Übergangsgruppe im Gemeindehaus Nikolai bleibt aufgrund des hohen Bedarfs für ein weiteres Jahr bestehen. Die Realisierbarkeit von weiteren Übergangsgruppen wird derzeit geprüft.

Wie es 2020/2021 weitergeht
Weitere vier Kindergarten- und acht Krippengruppen sind bereits beschlossen mit einer geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2020 beziehungsweise 2021. Unter anderem wird an der Gerhard-Stalling-Straße (Tweelbäke) eine neue Kita mit zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen gebaut, die im Frühjahr 2020 eröffnen soll. Auch in den Neubaugebieten auf dem ehemaligen Fliegerhorst und Am Bahndamm werden neue Kinderbetreuungsangebote geschaffen.

Nach der am 25. Juni 2018 vom Rat beschlossenen vierten Fortschreibung des Ausbaukonzepts bis zum Kita-Jahr 2022/2023 wird für unter Dreijährige eine Versorgungsquote von 55 Prozent im Krippenbereich und von 10 Prozent in der Kindertagespflege angestrebt. Für Kinder im Kindergartenalter ist eine Versorgungsquote von 99,5 Prozent das Ziel.